Selbstständig

Becoming an entrepreneur in Germany

I want to work for myself which is not quite as simple as “getting started”. Most likely you also know that I live in Germany that this is a little more complicated. I am getting closer to start working for myself officially: Day X is just one more month away.

For those of you that don’t speak German and probably also those of you who are not Germans the following article will not be of much help because I want to describe the proceedings while they are still fresh in my mind. Everything is happening just now! So I’ll switch to German. Those still interested: please continue. The rest: thanks for reading this far. Next time will be back to English, I promise!

Starthilfe vom Staat

Ich hatte mich zum Jahresbeginn arbeitssuchend gemeldet. Als ich beim ersten Termin bei der Arbeitsagentur meiner netten Sachbearbeiterin eröffnet habe, dass ich mich selbstständig machen will, hat diese sich mein Vorhaben kurz erklären lassen und mir vom Gründerzuschuss und den Gründerseminaren erzählt.

Hier in Karlsruhe gibt es 2-wöchige Kurse an der Bildungsakademie in denen man einige der Grundlagen zu Steuern, Kostenrechnung, Recht, Versicherungen (*hust*), Marketing, Fördermöglichkeiten und vor allem Businessplan schreiben erfährt. In 2 Wochen kann jedes Thema nur angerissen werden. Das meiste bleibt daher zwar oberflächlich, zeigt aber Defizite auf, an denen man arbeiten muss. Ausserdem trifft man andere interessante Leute, die sich auch alle gerade auf den Weg in die Selbstständigkeit machen.

Für mich haben sich diese 2 Wochen auf jeden Fall gelohnt. Ich habe am Ende des Seminars direkt meinen Businessplan abgeben können. Ob mein Vorhaben tragfähig ist und Förderung durch den Staat in Form vom Gründerzuschuss bekommt, hat im Anschluss die Handwerkskammer bzw. die Veranstalter der Kurse beurteilt (Ja ich habe die Bestätigung bekommen).

Hinweis noch zum Gründerzuschuss: das ist – wie Arbeitslosengeld I – 60% vom letzten Nettogehalt. Dazu kommen 300€ für die soziale Absicherung da man mit dem Schritt in die Selbstständigkeit natürlich nicht mehr sozialversicherungspflichtig ist und das alles selber tragen muss. Bisher gibt es den Zuschuss 9-Monate lang und man kann ihn beantragen (Tag der Abholung des Antrags zählt) solange man noch 90 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld I hat. Und wenn die fachkundige Stelle (zB HWK) das Vorhaben als tragfähig einstuft, muss der Gründerzuschuss gewährt werden. Das wird bald geändert: der Zuschuss soll auf 6 Monate verkürzt werden und man braucht noch 150 Tage Restanspruch, weiterhin wird aus einer Muss- eine Kannleistung!

Gewerbesteuer? Nein Danke!

Ich versuche also gerade mich als Softwareentwickler selbstständig zu machen. Die erste spannende Frage stellt sich bereits gleich da: bin ich Freiberufler oder Gewerbetreibender? Die Finanzämter haben das in der Vergangenheit mal so, mal so ausgelegt in unserer Branche. Die Tendenz scheint dahin zu gehen, dass “wer nur mit geistigem Eigentum arbeitet” als Freiberufler durchgeht, so zumindest die Dame vom Finanzamt. Wer allerdings etwas vermarktet – z.B. Apps im Google Market? – ist ein Gewerbetreibender und für den wird neben der Einkommenssteuer auch die Gewerbesteuer fällig. Zwar gibt es zur Gewerbesteuer einen Freibetrag von 24.500€ und Teile der Gewerbesteuer werden auf die Einkommenssteuer angerechnet, dennoch ist der Freiberufler derzeit noch attraktiver. (Anmerkung: der Hebesatz (aka Faktor) in Karlsruhe ist 410%, bis 380% kann die Gewerbesteuer auf die EkST angerechnet werden, der Rest fällt dann tatsächlich an. Beispiel zur Gewerbesteuerberechnung.)

Ich möchte als Freiberufler arbeiten – derzeit warte ich dazu noch auf das Feedback vom Finanzamt. Es gibt noch mehr als genug weitere mögliche Unternehmensformen, für den Anfang hätte ich es gerne etwas einfacher. Sehr empfehlenswert fand ich (nicht nur) in dieser Hinsicht das Seminar sowie den Praxisratgeber Existenzgründung.

Businessplan

Für die Tragfähigkeitsbeurteilung benötigt man einen Businessplan. Wie man den erstellt, erfährt man im grossen und ganzen in dem Seminar. Es gibt auch online dazu einige Quellen. Was bei uns nicht so gut funktioniert hat war der lexware-businessplan. Die Daten lässt sich nicht speichern, ab und an bricht das Tool ab und auch der Export ist mehr schlecht als recht: das PDF ist hässlich und hat eine zu kleine Schrift und das Word Dokument ist alles (html genauer gesagt) nur kein Word Dokument.

Von einer Dozentin bekamen wir ein Excel. Leider war das ohne genauere Erklärung nicht so gut zu verstehen und enthielt viele Felder, die für mich nicht notwendig waren. Es gibt noch eine offizielle Seite vom BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie): existenzgruender.de. Diese Software haben wir leider erst sehr spät zu Gesicht bekommen, daher habe ich sie nicht verwendet. Sie soll aber gut und einfach zu bedienen sein.

Ich habe mir letztlich aus den Zahlen von dem Lexware Teil ein eigenes Excel gebaut. Es führt kein Weg daran vorbei zu verstehen, was da in den einzelnen Tabellen alles steht. Die Tools sind alle nur eine Starthilfe. Wenn man die Zahlen erst einmal verstanden hat und weiss, was in den Liquiditätsplan oder in die Rentabilitätsvorschau gehört, dann kommt man auch mit einem Excel hin. Als kleine Hilfe ist hier mein Inhaltsverzeichnis vom Textteil des Businessplans:

  • Allgemeine Angaben (Adresse, Kontaktdaten, Foto)
  • Kurzbeschreibung vom Gründungsvorhaben: hier habe ich kurz meine Qualifikation in 2 Sätzen sowie eine stark abstrahierte Zusammenfassung meines Vorhabens ebenfalls in 2 Sätzen, sowie den geplanten Starttermin – genannt Tag X – reingeschrieben.
  • Lebenslauf: sollte ja bekannt sein wie das geht. Ich arbeite noch an einem verbesserten Profil auf Projektbasis.
  • Standort: Wo ist mein Büro? Wo werde ich arbeiten? z.B. Heimbüro und später vor Ort beim Kunden
  • Rechtsform: 1 Satz (“Die Rechtsform des Unternehmens wird ein Einzelunternehmen sein.”) Das kann natürlich ausführlicher werden, wenn man z.B. eine GmbH & Co KG gründet
  • Markteinschätzung:  Wie gross ist die Nachfrage, Wachstumspotential, Konkurrenten, wo ist mein Markt überhaupt? Da habe ich ca. 1 Seite geschrieben. Es ist sinnvoll dazu im passenden Branchenbrief nachzulesen.
  • Angebot: Was für Leistungen will ich anbieten? z.B. freie Mitarbeit in Projekten, Scrum Consulting
  • Preisgestaltung: Was kosten meine Leistungen? z.B. Stunden- und Tagessätze. Ergibt sich aus dem Angebot, das man ja zuvor beschrieben hat.
  • Vorteile / Alleinstellungsmerkmal: Was macht mich besonders? Was kann ich, was sonst keiner kann?
  • Zielgruppe: Wer sind meine Kunden? z.B. Firmen, die freie Mitarbeiter für Android Projekte suchen
  • Akquise / Werbung: Wie komme ich an Kunden? z.B. Networking
  • Unternehmensziele: was will ich (für mich) mit dem Unternehmen erreichen? 3 Sätze hab ich da geschrieben mir war nicht ganz klar was der Absatz soll, im Beispiel waren hier einerseits Werte wie Qualität aufgeführt andererseits ging es um den Lebensunterhalt.

Ausserdem gehören dazu noch eine Reihe von Tabellen, die sich natürlich mit den bereits genannten Zahlen z.B. in der Preisgestaltung decken sollten:

  • Eigenkapital (hier muss man nicht sein ganzes Hab und Gut offenlegen, das kommt erst bei der Bank, es genügt das reinzuschreiben, was man vorhat selbst in das Unternehmen zu investieren)
  • Private Ausgaben (da gehört übrigens auch die Einkommenssteuer rein, ich meine ich hätte mit 25% einfach gerechnet, aber dafür gibt es auch Online Tools)
  • Ausgaben vor der Gründung
  • Ausgaben für das Unternehmen über 3 Jahre
  • Umsatzplanung (das war mit Abstand der spannenste Teil, denn der sagt mir mein “Soll” für die nächsten 3 Jahre um im “Plan” zu bleiben)
  • Finanzierungsplan
  • Liquiditätsplan (hier nicht die Privatentnahme vergessen)
  • Rentabilitätsvorschau (hier habe ich als “Sonstige Einnahmen”, die Förderung mit reingenommen)
  • Kapitalbedarfsplan

Ich habe mal die markiert, die ich für mein Vorhaben als besonders wichtig empfunden habe. Als Entwickler habe ich den Vorteil, dass ich wenig investieren muss zunächst.

Wie man diese Tabellen erstellt haben wir im Seminar gemeinsam erarbeitet, sonst wäre ich da nie durchgestiegen! Am meisten Kopfzerbrechen hat mir der Liquiditätsplan bereitet, weil die Zahlen, die am Anfang herauskamen einfach nicht passten: da hatte ich noch die Privatentnahme und bei dieser dann zusätzlich die Einkommenssteuer vergessen!

Man kann sehr viel Zeit in einen Businessplan versenken oder eben auch nicht. Ich habe den Plan Sonntags angefangen und an insgesamt 4 Abenden nach dem Seminar fertig gemacht. Wichtig ist, dass man alles durchgerechnet hat, um zu sehen wie man so steht. Dieser Plan soll aufzeigen, ob man wenigstens in der Theorie in der Lage sein wird mit dem geplanten Unternehmen seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn es auf dem Papier klappt, ist das zwar noch keine Erfolgsgarantie, aber wenn es auf dem Papier nicht klappt ist mit Sicherheit etwas faul und man sollte die Idee nochmals überdenken!

Mein Businessplan war sicherlich nicht ausführlich genug, um damit grössere Bankkredite zu bekommen, aber er reicht für den Gründerzuschuss und na ja ich habe ihn dann letztlich auch meiner Bank gezeigt.

Formulare, Formulare … der Papierkram

Nach dem Seminar habe ich mich dann mal daran gemacht mich um den weiteren “Papierkram” zu kümmern. Formulare und ich sind nicht so besonders gut befreundet, aber auf einige davon waren wir vom Seminar vorbereitet worden unter anderem die Anmeldung beim Finanzamt.

Die Anmeldung beim Finanzamt passiert über ein 6-seitiges Formular, dass ich mir dort persönlich abgeholt habe (vielleicht schicken die das auch zu?). Netterweise hatte mir die Dame gleich 2 Exemplare mitgegeben, denn das erste habe ich gleich mal falsch ausgefüllt.

Auch hier werden jede Menge Angaben zu den geplanten Umsätzen benötigt, da sich  darauf die zukünftige Einkommenssteuer begründet. Es hilft also, wenn man seinen Businessplan bereits gemacht hat. Weiterhin sollte man wissen ob man die Kleinunternehmerregelung (Befreiung von der Umsatzsteuer unter bestimmten Bedingungen) in Anspruch nehmen will. Man kann hier auch direkt die Umsatzsteuer Identifikationsnummer beantragen.

Ich habe zum einen bei meinem Besuch im Finanzamt dazu Fragen gestellt und dann nochmal bei der Sachbearbeiterin meiner letzten Steuererklärung angerufen und mehr Fragen gestellt. Diese war sehr freundlich und hilfsbereit und schien schon fast glücklich, dass ich manches schon wusste (dank ans Seminar). Wenn ihr nicht weiterwisst: einfach mal telefonieren.

Übrigens in dem Formular müsst ihr auch wieder den Tag X angeben und zwar als Startdatum (auf der 4. Seite mein ich).

Für alle, die ein Gewerbe anmelden müssen, wird auch hier nochmal ein Formular fällig und eventuell kommt dann noch die Mitgliedschaft in der IHK oder der Handwerkskammer dazu.

Und keine Angst vor der Vorsteuererklärung jeden Monat: das Formular kann man online abschicken und man muss wirklich nicht viel davon ausfüllen!

Geschäftskonten kosten

Für das Formular für das Finanzamt benötigt man auch schon Angaben von Konten für Zahlungen, die man eventuell vom Finanzamt zurückbekommt. Daher musste ich mich vor Abgabe dieses dann auch noch um mein “Firmenkonto” kümmern. Ich möchte eine saubere Trennung zwischen Firma und Privat in meiner Buchhaltung haben: es musste ein neues Konto her. Meine bisherige Bank macht leider nur Privatkunden: zu Finanzkrisenzeiten ist das toll, wenn man sich selbstständig machen will weniger.

Die Suche nach einer geeigneten Bank hat mich einen ganzen Vormittag gekostet! Als Privatkunde hat man sich ja sicher schon mal umgeschaut. Das ist nur leider überhaupt nicht das gleiche. Letztlich hat sich folgendes Bild ergeben:

  • es gibt kaum Direktkonten (1 hab ich gefunden)
  • als Firmenkunde zahlt man pro Buchung, sei es digital oder papierhaft.
  • man zahlt auch für die EC Karte und natürlich für die Kreditkarte.
  • und dann sind da noch die Kontoführungsgebühren.
  • geschätzte Kosten pro Jahr zwischen 80 und 150 Euro

Auch hier gilt übrigens: wenn man die Infos nicht findet, einfach anrufen! Richtig gross sind die Unterschiede bei den Banken nicht und für kleine Startups gibts sicherlich selten Sonderkonditionen. Grundsätzlich bin ich auf 2 Sorten Banken gestossen: Grossbanken und Mittelstandsbanken. Diese Entscheidung muss man für sich treffen, je nachdem was man braucht. Es gibt diverse Übersichten im Web dazu, aus diesen habe ich nur wenig mitgenommen, da ich irgendwie immer zwischen den Zeilen Werbung für die ein oder andere Bank rausgelesen habe. Ich habe mir die in Frage kommenden Banken alle in eine Exceltabelle geschrieben und Preise verglichen und dann nach Sympathie entschieden.

Versicherungen

Ein weiteres grosses Thema sind Versicherungen. Wenn man selbstständig ist, hat man auf einmal alles am Hals. Als Angestellter braucht man ja nicht viel, da ist man sozialversicherungspflichtig und gut ist. Je nachdem was man macht sollte man sich das gut überlegen und vor allem wissen, ob man nicht doch noch unter irgendwelche obskuren Regelungen zur Rentenversicherung beispielsweise fällt. (Lehr- und Heilberufe, Künstler …). Leider war ausgerechnet dieser Teil des Seminars nicht besonders hilfreich.

Ich – als Laie! – habe mir (und teilweise anderen) folgende Fragen gestellt

  • wenn ich bisher noch keine habe, brauche ich jetzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
  • brauche ich eine Berufs- und/oder Betriebshaftpflicht?
  • wie läuft meine Altersvorsorge jetzt?
  • möchte ich eine private Krankenversicherung oder bleibe ich in der gesetzlichen als freiwillig Versicherter? Stichwort: Bürgerentlastungsgesetz.
  • möchte ich weiter freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einbezahlen?

Auch hier gilt: jeder hat seine eigenen Gegebenheiten und jede dieser Fragen wird sich entsprechend die Antworten überlegen müssen. Es hilft enorm andere Selbstständige zu dem Thema zu befragen. Die Minimalversion ist ein Anruf bei eurer gesetzlichen Kasse, dass ihr da bleiben wollt und euch ab Tag X (Datum eures offiziellen Starts) freiwillig dort weiterversichern wollt. Alles andere ist bei den meisten optional, und wo es das nicht ist, wisst ihr hoffentlich schon lange Bescheid darüber!

Wenn man dann alle Unterlagen beisammen hat, kann man den – hoffentlich lange abgeholten – Antrag für den Gründerzuschuss zum Arbeitsamt bringen und dann sollte der “Papierkram” erledigt sein.

Wenn dann der Tag X kommt, seid ihr selbstständig! Voilà!

Fragen? Fehlt was? Ich berichte dann nach Tag X weiter …

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2 Responses to Selbstständig

  1. Jan says:

    Lexware? Excel? LaTeX! Das sah dann gleich so professionell aus, daß der Plan akzeptiert wurde ;).

    Und Geschäftskonto haben wir bei der Skatbank, kostenlose Kontoführung, 0,10Euro pro Buchung.

    • Sonja says:

      Ja das Angebot von der Skatbank habe ich auch gesehen. War etwas skeptisch und habs dann doch anders entschieden 😉 Vielleicht hätte ich aber auch beim Konto mal nachfragen sollen.